Leseproben
Wenn Amors Pfeil …
Monika ClemensMitten in der Nacht erwachte Lilly und lauschte in die beklemmende Stille. Schon wieder hatte ein Alptraum über ihre verlorene Liebe sie gequält und ihre Nachtruhe gestört. Immer wieder musste sie an ihren ehemaligen Freund Michael denken. Seit einigen Wochen waren sie nicht mehr zusammen. Sie zitterte vor Einsamkeit und fühlte sich entsetzlich alleine. Seine Berührungen waren immer so zärtlich, liebkosend, weich, voller Gefühle und voller Liebe und manchmal auch tröstend gewesen.
Nie hätte sie gedacht, dass sie sich überhaupt einmal trennen könnten. Michael war kein großer Frauentyp, trotzdem hatte er etwas besonders Anziehendes. Seine schwarzen, leicht gelockten Haare und seine sonnengebräunte Haut schmeichelten seiner Männlichkeit. Er war allezeit lustig und zu kleinen Spielchen aufgelegt. Seine grünen strahlenden, ungewöhnlichen großen Augen waren genau so anziehend wie sein kleiner schmaler, süßer Mund. Michael war groß und auffallend sportlich, er liebte es zu joggen und schwimmen zu gehen. Schwimmen hasste Lilly. Ihr reichte das Wasser unter der Dusche und in der Wanne. Mehr Wasser ließ sie nicht an ihren Köper. Immerzu stritten sie darüber. Sie wollte sich nicht zwingen lassen und Michael zuliebe wollte sie nicht in einem großen mit Chlor angereichertem Schwimmbad herumpaddeln, in denen hunderte von Menschen rein pieselten.
Deshalb hatten sie sich geeinigt, dass er alleine zum Schwimmen gehen sollte. Und das wurde auch der Grund, warum sie sich eines Tages trennten. Es fing damit an, dass immer und immer wieder jemand auf Michaels Handy anrief. Andauernd hatte er komische Ausreden. Lilly fragte ihn, ob er eine andere Frau kennen gelernt hätte. Nein, war seine Antwort. Bis es eines Tages passierte: Sein Handy klingelte abermals. Lilly ging ran, weil Michael gerade zum Brötchenholen gefahren war. Sie drückte auf den Knopf und es erschien der Text: Vermisse dich! Sehen wir uns heute? Deine Susi. Lilly erstarrte. Ihre Vermutung war also richtig gewesen. Voller Wut klickte sie auf weitere Knöpfe und unerwartet erschienen Bilder von einer Frau, bestimmt Susi, im Badeanzug, oben ohne und in anderen graziösen Stellungen. Als Michael mit den Brötchen nach Hause kam, sprach Lilly ihn auf Susi an. Er lügte, wie immer. Diese Lüge und ein böser Streit hatten ihrer Beziehung ein jähes Ende gesetzt. Was ihr am meisten weh tat, war, dass Michael gleich nach ihrer Trennung erneut auf Frauenfang ging. Er wendete sich nicht der Bade-Susi zu, sondern er tat sich mit ihrer besten Freundin Rena zusammen. Das war die Höhe. Rena hatte immer schon ein Auge auf ihn geworfen. Da hatte er leichtes Spiel. Konnte er seine Hose nicht mal einige Zeit am Hintern lassen? Das scheint bei einigen Männern wohl nicht machbar zu sein. Dann war sie ihm auch nicht so wichtig, sagte Lilly zu sich. Und er war es nicht wert traurig zu sein, oder?Sie war so wütend auf Michael und ihre Freundin Rena. Gleich zwei vertraute Menschen zu verlieren, das tat so schrecklich weh. Ein Schmerz, der tief saß und wohl immer dort bleiben würde. Alle drei arbeiteten auch noch in der gleichen Firma. Jeden Tag musste Lilly die beiden sehen. Lange würde sie dies nicht mehr aushalten, das wusste sie. Sie schaute auf den Wecker. Noch drei Stunden, bis sie aufstehen müsste, aber diese Stunden wollte sie lieber noch schlafen. Wütend warf sie sich auf ihr flaumiges Kopfkissen und schlug darauf mit Fäusten ein. Augen die sich mit Tränen gefüllt hatten, schauten das Bild auf ihrem Nachttisch an, das zuvor ein paar Tage lang unter Verschluss in der Schublade des Nachtschränkchens gelegen hatte. Ihr Herzschlag beschleunigte sich schlagartig. Sie sehnte sich nach Michas warmen Händen und seinem lieben Gesicht. Vorsichtig, als wenn er es spüren würde, strich sie mit ihrem Zeigefinger über die Wangen des Mannes auf dem Foto.Eine kleine Trauerträne kullerte über ihr rechte Wange, tropfte auf das Kissen und versank in die Tiefen der weichen Flanellbettwäsche.Lilly schmiss sich von einer auf die andere Seite des Bettes, schloss die Augen und versuchte, nochmals Schlaf zu finden. Hinter ihren geschlossenen Lidern erschien Michaels liebenwertes, lächelndes Gesicht. Wie immer strahlten seine hellen Zähne in einem unnatürlichen Weiß, als hätte er Meister Propper beim Zähneputzen verwendet. Diese überweißen Zähne bewunderte sie, aber irgendwie waren sie für sie unnatürlich.Sie hörte ihn säuseln: „Du bist meine Schöne.“
„Pah“, dachte Lilly, „du lügst! Deine Schöne scheint nun Rena zu sein.“ Lilly riss die Augen auf. „Verdammt, kann er nicht aus meinem Kopf verschwinden“, schimpfte sie. Schlug nach dem Foto auf dem Nachtschränkchen, das mit mehreren Umdrehungen auf den weichen Teppich fiel. Lilly zog die Bettdecke über ihren Kopf und weinte leise. Nur für ein paar kleine Sekunden …, nur für ein paar Sekunden. Dann schlief sie doch noch ein.
Musik schallte durch das Zimmer. Lilly blinzelte über ihre Bettdecke in den hell erleuchteten Raum. Die Sonne delegierte den frühen Morgen in ihr Zimmer und die herrlich warmen Strahlen streichelten ihr Gesicht. Lilly war kein Superweib. Sie war normal, durchschnittlich. Sie hatte wie andere Frauen ebenfalls ihre sogenannten Problemzonen. Und trotzdem wusste Lilly, dass viele Männeraugen an ihr hängen blieben.Ihr rötlichgoldenes Haar erglühte, wenn Sonnenstrahlen darauf fielen und ihre von langen Wimpern umrahmten Katzenaugen machten sie zu einer faszinierenden Frau, der die Männer hinterher schauten.Lilly selber sah sich als ganz normale Frau. Mit ein wenig zu viel Hüftspeck, zu klein geratenen Brüsten, obwohl sie Körbchengröße 75A trug und einer Nase, die ihres Erachtens nach ein klein wenig schief stand, aber nur ein klein wenig.
Lilly warf die Bettdecke zur Seite und stand auf. Zog im Gehen ihren Pyjama aus und warf ihn auf die antike Wäschetruhe, die am Ausgang neben der Tür stand. Ein altes Erbstück ihre Oma. Nackt stolzierte sie ins Bad, kippte mit einem Ruck den Hebel der Dusche herunter, das ihr schlagartig Wasserspritzer, die sich wie Eiströpfchen anfühlten, entgegen schlugen und über ihren makellosen nackten Körper zerstreuten. Erschrocken zuckte sie zurück und senkte schnell den Druck der Fontäne. Während sich der Wasserstrahl warm lief, putzte sie ihre Zähne. Dann schob sie ihre Haare unter ihre Zitronen ähnlich aussehende Duschhaube und hüpfte unter einen mollig warmen Wasserstrahl. Wie wohltuend es war. Die Wärme lullte sie ein. Sie schloss die Augen. Warme, wohltuende weiche Wasserstrahlen flossen langsam über ihre Schultern abwärts, über die rundlichen, sexy aussehenden Hüften hinunter über die Pobacken. Ihr kam es so vor, als würde Michael sie mit seinen starken, warmen, weichen Händen streicheln und mit liebevollen Armen umfassen. Wie häufig hatten sie zusammen unter diese Dusche nicht nur die Wassertropfen geteilt, sonder ebenso den Akt eines innigen Liebesspiels.
Lilly genoss diesen Moment, bis sie merkte, dass ihr kalt wurde. Sie schüttelte sich, stieg aus der Duschwanne, schnappte sich das Handtuch und trocknete sich ab. „Verrückt, an was man alles denkt“, sprach sie in den Spiegel, den sie mit der Hand abwischte, um ihr Gesicht zu sehen. Dann zog sie die Duschhaube ab. Nach dem Föhnen der Haare stolzierte sie ins Schlafzimmer zurück. Vor ihrem Kleiderschrank stehend, überlegte sie nicht lange, sondern griff nach dem schönsten Kostüm, was sie hatte und zog es an.
Heute war ein besonderer Tag: Sie hatten Meeting in der Firma. Ihr neuer Chef wurde den Angestellten vorgestellt und natürlich war auch Michael dort anwesend. Und ihre beste Freundin Rena. Lilly wollte strahlen und das tat sie in diesem umwerfend attraktiv aussehenden grauen Kostüm.
Der kleine Pausen-Snack
(für zwischendurch)
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Die Geliebte
Von Monika Clemens
Ein warmer Sonnenstrahl kitzelte ihre Wangen. Schon früh am Morgen strahlte die Sonne in ihr hell erleuchtetes Schlafzimmer. Sie reckte und streckte sich, schwang die schlanken Beine aus dem warmen Bett und stand auf. Sie warf sich ihren flauschigen, weinroten Morgenmantel über, schlüpfte in die weichen, rosa Hausschuhe und ging aus dem Schlafzimmer. Wie jeden Morgen war sie die Erste, die aufstand, um die Kinder für die Schule fertig zu machen. Mit leichten Schritten ging sie die hölzernen Treppenstufen runter in die Küche, um Wasser aufzusetzen für einen starken Muntermacher -Kaffee. Sie holte Brot aus der blauen Brotkiste, Wurst und Käse aus dem Kühlschrank. Da ertönte im obersten Stockwerk ein lauter Wecker. Erst im Schlafzimmer, der ihren Mann wecken sollte, dann im Kinderzimmer. Schon wurde die Badezimmertür geöffnet und gleich wieder geschlossen. Das müsste Heiko, ihr Mann, sein, der im Bad verschwand.Elli holte die Zeitung aus dem Briefkasten und legte sie neben das Tischset ihres Mannes. Nach einigen Minuten horchte sie nach oben. Alles war still. Nein, bei den Kindern regte sich nichts. Weitere Minuten vergingen und ihr Mann erschien in der Küchentür.
“Guten Morgen.“ „Guten Morgen“, erwiderte sie. Wieder nicht, dachte Elli und wurde traurig. Früher gab es mal einen Guten Morgen – Begrüßungs-Kuss. Ja, diese Zeiten sind wohl vorbei…Traurig nahm sie die bunten Brotdosen der Kinder und legte die liebevoll geschmierten Brote und das frische Obst hinein. “Hast du die Kinder geweckt?“, fragte Elli. „Nee, wieso ich?“, kam die Antwort. Elli schüttelte den Kopf. Sie drehte sich um und ging nach oben. Heiko blätterte weiter gemütlich die Zeitung durch und schlürfte genussvoll „ihren“ gekochten Kaffee. Schnell lief Elli von einem Kinderzimmer zum anderen und weckte die Kinder liebevoll. Wie fast jeden Morgen waren sie nach dem Klingeln des Weckers wieder eingeschlummert. Langsam kam Bewegung unter die Bettdecken. Dann wurden die Decken aufgeschlagen, die ersten kleinen Füße erschienen und marschierten in Richtung Bad während das andere Kind sich schon einmal anzog. So waren sie morgens aufeinander eingespielt und es gab kein Theater. „Beeilt euch, ich gehe schon mal wieder runter, rief Elli, schüttelte die Betten noch kurz auf, lief ins Schlafzimmer und öffnete schnell die Fenster, schlug auf dem Weg aus dem Zimmer die Bettdecken noch auf. Danach ging sie wieder runter in die Küche zu ihrem hinter der Zeitung versteckten, lesenden Mann. Elli legte die Sachen der Kinder zurecht, setzte sich und trank ihren ersten lauwarmen Schluck Kaffee, atmete tief durch und fragte: „Wann kommst du heute nach Hause? Keine Antwort. Noch mal: „Wann kommst du heute nach Hause? Endlich raschelte die Zeitung. “Weiß nicht!“ Irgendetwas stimmte mit ihrem Heiko seit Tagen nicht. Ihr Bauchgefühl sagte das. Er hatte sich verändert. Er wurde schnell verlegen, schaute woanders hin und bekam manchmal einen roten Kopf, wenn sie ihn ansprach. Wenn er abends nach Hause kam, wich er ihr immer öfters aus. Elli ahnte etwas. Frauen spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Es war ihr nicht verborgen geblieben, dass er nach Parfüm roch. Ein Parfüm, was sie nicht kannte und das auf keinen Fall ihres war. Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen. Die Kinder stürmten fröhlich die Treppe herunter. Elli begrüße die Beiden mit liebevollen Morgenküssen. Die Kinder setzten sich, tranken ihren Kakao, aßen ihr Frühstück und überprüften die Schultaschen. Sie unterhielten sich lebhaft, Elli fragte, die Kinder antworteten. Dem Vater war es zu laut. Er faltete seine Zeitung zusammen. Nahm seine Aktentasche und verabschiedete sich mit einem Satz: „Viel Spaß in der Schule! Nahm seinen Mantel von Haken und verschwand. Traurig schaute Elli auf die Küchentür, in Gedanken sprach sie: „Ja, dir auch einen schönen Tag, Tschüß, meine Liebe!“ Schon bald waren die Kinder mit ihrem Frühstück fertig. Sie verabschiedeten sich liebevoll von der Mutter, sie brachte die Kinder zur Tür und winkte ihnen lange nach.
Nun war Elli alleine. Sie stellte ihr Radio laut, ganz laut. Nahm sich eine Zeitschrift und trank in Ruhe ihren Kaffee aus. Danach ging sie nach oben, um sich anzuziehen und verrichtete die üblichen Hausarbeiten, die wie immer auf sie warteten. Waschen, Saugen, Staubwischen, Bügeln, Einkaufen und das Essen vorbereiten. Nach fünf Stunden ständiger Bewegung setzte sie sich erschöpft an den Küchentisch. Trank eine frisch aufgebrühte Tasse Kaffee und las ein paar Zeilen in ihrem Liebesroman. Dann erschienen die Kinder. Essen, abdecken, Spülmaschine fertig machen und die Schularbeiten wurden überwacht. Dann standen die üblichen Wege an. Ein Kind musste zum Musikunterricht, das andere hatte Reitstunden und es stand noch ein Arztbesuch an. An einen gemütlichen Feierabend war noch lange nicht zu denken. Heiko kam, wie in letzten Zeit auch, sehr spät nach Hause. Wich ihr wieder mal aus und verschwand gleich im Bad, wie so jeden Abend, wenn es spät geworden war. Elli dachte: willst wohl diesen schrecklichen Parfümduft abwaschen! Ich weiß doch Bescheid, du dummer Mann. Schloss schnell die Augen, doch zwischen den Lidern quetschte sich noch eine kleine Träne, die Elli mit der Hand wegwischte. Was soll ich tun? Elli überlegte Tagelang. Scheidung, mit den Kindern allein sein? Keine Arbeit zu haben. Schweren Herzens seine Affäre akzeptieren? Eines Tages nahm sie ein weißes Stück Papier zu Hand. Holte ihren Kugelschreiber und schrieb auf den Zettel: Schönen Gruß an deine Geliebte, richte ihr aus, dass ihr Parfüm abscheulich riecht! Als Heiko am nächsten Morgen in der Küche saß, ihren frisch gekochten Kaffe genüsslich schlürfte und nach seiner Zeitung greifen wollte, legte sie ihm, ohne ein Wort zu sagen, den Zettel auf den Tisch. Sie ging einen Schritt zurück lehnet sich an die Küchenzeile, beobachtete ihn und wartete.
Heikos Gesicht wurde rot wie ein Feuerlöscher, dann leichenblass wie Camembertkäse und wieder rot wie eine Tomate. Er räusperte sich einige Male. „Du spinnst“, sagte er verlegen, schnappte seine Zeitung und verschwand. Am Abend kam er pünktlich von der Arbeit nach Hause. Und er roch… nicht nach Parfüm! Er verschwand auch nicht im Bad. Und er sprach auch kein Wort. Er sprach auch nicht über den morgendlichen Zettel. Am nächsten Morgen fing alles wie jeden Morgen an. Die Wecker klingelten und Ellis „Arbeit“ begann. Aber dann…
Als Heiko in die Küche kam, bekam Elli als erstes einen Guten-Morgen-Kuss.„Verzeih“, sagte er ganz leise. Als alle aus dem Haus waren und es ganz still war, überlegte Elli, ob es das alles wert sei. Hat sich das Schweigen nun gelohnt? Musste sie sich das antun? Sie beschloss: „Wir werden es sehen. Sollte wieder mal ein unbekannter Parfümduft ihre Nase streifen, dann fliegt er raus“, dachte Elli, dann legte sie ihre Beine aufs Sofa, ließ Arbeit Arbeit sein und las bei einer schönen Tasse Kaffee ihren Roman zu Ende.
Plötzlicher Tod
Von Monika Clemens
Still war es. Man hätte eine Nadel auf den Fußboden fallen hören können. Fenja wollte sich nicht bewegen. Stocksteif saß sie im Unterschrank der Küchenzeile. Zusammen gekauert, lauschte sie nach draußen. „Du Scheißkerl“, schrie ihre Mutter. „Fass mich nicht wieder an.“ Ein klatschendes Geräusch. Fenja zuckte zusammen. Sicherlich hatte der Vater ihre Mutter weder geschlagen. Das tat er immer öfters. Wenn es los ging, verschwand Fenja immer schnell in irgendeinem Schrank. Papa hatte seit Monaten keine Arbeit mehr. Sie lebten schon lange von Hartz 4. Papa hatte immer gesagt: “Was für einen bescheuerten Name das ist, für Menschen, die in Not geraten sind und vom Staat Geld bekommen.“ Papas Arbeitgeber hatte ihn vor Monaten entlassen müssen, er konnte ihn nicht mehr bezahlen, weil die Aufträge fehlten. Da der Staat die kleinen Unternehmen hängen lässt, blieb dem Arbeitgeber von Papa wohl nichts anderes übrig, als eine Firma zu schließen. Toller Staat! Fenja machte sich so ihre Gedanken, auch, wenn sie noch so klein war. Das verstand das Mädchen einfach nicht: warum half der Staat kleinen Unternehmen nicht? Warum lassen sie sie kaputt gehen. Und die Menschen arbeitslos werden? Klirr, nun flogen die ersten Gegenstände durch die Gegend.Fenja rückte noch ein Stück tiefer in den Küchenschrank. Papa hatte vor einiger Zeit angefangen zu trinken.Er ging immer wieder zum Arbeitsamt. Aber die konnten ihm auch keine neue Arbeit geben. Warum eigentlich nicht? Fenja dachte immer, sie wären dafür da, den Menschen Arbeit zu geben. Die taten überhaupt nichts Richtiges für ihren Papa. Doch, einmal boten sie ihm einen 1- Eurojob an. Papa sagte, er wäre doch nicht bescheuert. Er wollte sich doch nicht beim Spargelstechen den Rücken kaputt machen.
Und das für einen Euro, er hatte ja Recht. „Sie beuten die Arbeitslosen doch nur aus“, hatte Papa geschrien. Bum, klirr, die nächsten Gegenstände flogen durch die Luft und zerbrachen an der Stubenwand. „Du scheiß Saufkopf, mir reicht es jetzt“, hörte sie die Mama schreien. Und wieder klirrte irgendwo etwas.„Mir reicht dieses beschissene Leben, dieser Staat hat mich kaputt gemacht“, brüllte Papa. „Deswegen brauchst du aber nicht zu saufen und mich auch noch schlagen“, schrie Mama. „Ich kann nichts dafür. Fass mich ja nie wieder an!“ Fenja schaute durch einen kleinen Schlitz und sah, wie ihr Vater mit einer Bierflasche in der Hand hin und her taumelte. Bewaffnet mit einer großen Pfanne in der Hand stand Mama dem Vater gegenüber. Ein Blutstropfen lief an Mamas Mund herunter, ihre Wangen glühten rot. Ihre langen, blonden Haare hingen zerzaust über ihre Schulter. Die blaue Bluse war zerrissen und ihr rechter Oberarm war zu sehen. Barfuss stand sie mit wutverzehrten Gesicht dem Mann gegenüber, den sie mal geliebt hatte. Plötzlich fasste der Vater sich an sein Herz. Er verzog sein Gesicht. „Schmerzen“, schrie er. Ihm fiel die Bierflasche aus der Hand. Dabei bückte er sich leicht nach vorne, wobei sich sein Gesichtausdruck schrecklich veränderte: Schmerzverzerrt, zombimäßig, gruselig zuckend. Die Farbe in seinem Gesicht war mal weiß, mal blau. Große Augen, die aus der Augenhöhle herausspringen wollen, starrten sie an. Er taumelte, schwankte.
Mama ließ die Pfanne langsam sinken. Mit einem erschrockenen Gesichtsausdruck stand sie da und schaute auf den Mann vor sich. Papa fiel gegen den Stuhl.Mama trat erschrocken einen Schritt zurück.Papa stürzte zu Boden, seine Hand presste sich auf seine Brust. Er war leichenblass. Mama legte die Pfanne auf den Tisch.Papa lag regungslos auf dem Fußboden und zuckte. Mama stürzte zu ihm hin. Papa flüsterte: „Verzeih mir“! Zuckte noch einmal und lag dann ganz still da.Mama erstarrte, schaute, kniete sich hin und blieb still neben Papa hocken. Dann, nach einer Weile, schubste sie an seiner Schulter. Einmal, zweimal.
Fenja hörte, wie sie leise sagte: „So eine Scheiße. Verpisst er sich und lässt mich mit dem Elend alleine.“ Mama stand auf. Sie war blass wie ein Camembertkäse……………………
Inhalt
Die Zaubertinte von Hanno Berg 9 – 16
Dinkas teuflische Tante von Monika Clemens 17 – 26
Belogen und Betrogen von Monika Clemens 27 – 29
Abwärts von Karin Varch 30 – 33
Rufmord von Sonja Rabaza 34 – 38
Plötzlicher Tod von Monika Clemens 39 – 42
Das Gesicht von Kurt Blaser 43 – 46
Die Geliebte von Monika Clemens 47 – 51
Aus dem wahren Leben von Marlis Bugdoll 52 – 55
Verwirrspiel von Kurt Blaser 56 – 63
Die Klagemauer von Henriette Jakob 64 – 66
Gedanken eines Zweiflers von Henriette Jakob 67 – 68
Die Mozarthasen von Margit Farwig 69 – 70
Kreaturen der Nacht von Thomas Schneider 71 – 76
Hinterhältiger Überfall von Peter Suska – Zerbes 77 – 81
Neuankömmling von Katherina Böhme 82 – 84
Die Gedanken sind frei von Heidrun Böhm 85 – 88
Letzter Gruß von Katherina Böhme 89 – 93
Kämpfer für das ewige Leben von Beate Büse 94 – 98
Die Nacht vor Beltane von Katherina Böhme 99 – 101
Trotzalter von Beate Büse 102 – 103
Stumme Begegnung von Kurt Blaser 104 – 108
Die Dracheninsel von Hanno Berg 109 – 113
Der weiße Rehbock von Hanno Berg 114 – 121
Ein Traum von Radtour von Doris Liese 122 – 124
Schreck am Abend von Heinz-Gerd Küster 125 – 127
Für Elisa von Beate Büse 128 – 132
Ein Weihnachtstraum von Monika Clemens 133 – 138
Angela von Heinz-Gerd Küster 139 – 143
Geliebte Träume von Monika Clemens 144 – 146
Der Mann fürs Leben von Beate Büse 147 – 152
Informationen zu den Autoren/Innen
und mehr 153 – 156
Ich denke! von Monika Clemens 157
Monika Clemens
http:// www.monikaclemens.wordpress.com
http:// rheuma.de.to
Margit Farwig http://www.farwig.info
Karin Varch http:// www.karinvarch.at.tf
Peter Suska-Zerbes http://www.schreibschon.de
Doris Liese http://www.maerchenliese.npage.de
Thomas Schneider
http:/www.thomasschneider.repage1.de/
Sonja Rabaza http://sonjarabaza.myblog.de
Henriette Jakob
http://www.henriettejakob.dreipage2.de
Katharina Böhme http://www.katharina-boehme.com
Beate Büse
http://www.landdersonnenhexe.12see.de
Heidrun Musser http://www.heidrun-musser.de
Marlis Bugdoll
http://www.beepworld.de/members32/marlisse
http://home.feierabend.com/ollemulle
Kurt Blaser http://www.kurt-blaser.de.vu
http://www.kurtblaser.magix.net/website
Heinz-Gerd Küster
http://www.sites.google.com/site/heinzgerdkuester
Hanno Berg keine

